ANJEZA CIKOPANO
»Brot, Salz und Herz«
Ausstellungseröffnung: DI, 09. Juni 2009, 19.00 Uhr
Zur Eröffnung spricht: Stephanie Schwandner - Sievers
Ausstellungsdauer: 10. Juni – 09. Juli 2009
Über Gastfreundschaft, Blutrache und unterschiedliche Lebensweisen. Nach 50 Jahren Diktatur und Isolation von der restlichen Welt sowie nach mehr als 15 Jahren harter Übergangszeit in den Kapitalismus versucht Albanien jetzt langsam sich ein Bild von sich zu machen, für sich selbst, für internationale Organisationen und vor allem für die große Hoffnung EU. Dieses Land war schon immer zwischen Orient und Okzident, zwischen Christentum und Islam, zwischen dem Ursprünglichen und den fremden Einflüssen positioniert. Albanien sucht jetzt mit seiner einzigartigen Mischung der Religionen, Kulturen und Denkweisen nach einer klaren Antwort auf die Frage nach seiner Identität.
In den nordalbanischen Bergen waren die Bewohner durch die dortigen geografischen Gegebenheiten so extrem von der Außenwelt abgeschottet, dass sich hier ein aus der Zeit vor dem Römischen Reich stammendes Gewohnheitsrecht (Kanun) bis in die Jetztzeit erhalten hat. Der Kanun hat sich unabhängig von jeder Religion definiert und ist das mündlich überlieferte alte Rechtssystem der Albaner. Die Gastfreundschaft ist eine der Hauptsäulen des Kanun. Brot, Salz und Herz sind das Mindeste, mit dem ein Gast beschenkt werden muss.
Durch das Gewohnheitsrecht ist die Frau sehr wohl in alle Arbeitsprozesse, jedoch überhaupt nicht in das soziale Leben involviert. Die Frauen sind von der Blutrache ausgenommen, allerdings sind sie auch vom Erbrecht ausgeschlossen und dürfen keine Entscheidungen über sich selbst und ihre Kinder treffen.
Das Fotoprojekt dokumentiert die Geschichten der Frauen in ihrem Alltag zuhause sowie auch die Schicksale der Frauen in den Gefängnissen. Jene Frauen, die Mord als einzige Lösung gegen die unerträgliche und alltägliche Gewalt der Ehemänner gesehen haben. Das Ziel dieses Fotoprojektes ist es, die vom Kanun regulierte Lebensform sowohl in den nordalbanischen Bergdörfern als auch in den Vororten der Hauptstadt Tirana zu zeigen.
Durch die wirtschaftlichen Umstände sind in den letzten zehn Jahren sehr viele Familien aus Nordalbanien in die urbanen Zentren zugewandert. Die Anpassung an ein städtisches Leben funktioniert jedoch nur im Sinne der Geldbeschaffung; das Gewohnheitsrecht, das diese Menschen mitbringen, führt immer wieder zu eklatanten Konflikten mit den staatlichen Gesetzen. Zwei Welten prallen hier aufeinander.
Die Fotos zeigen möglichst viele Seiten der unzugänglichen Lebensweisen auf. Sie dokumentieren den Umgang mit ihren Normen, sie zeigen ein persönliches Bild der Menschen in ihrem Alltag und zu besonderen Anlässen, sowohl in den Bergen als auch in den Vorstadtvierteln.
Anjeza Cikopano
Kurzbiographie
Anjeza Cikopano geboren 1979 in Tirana (Albanien)/ lebt seit 2001 in Österreich / 2003-2005 Kolleg für Fotografie und audiovisuelle Medien an der Höheren Graphischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt, Wien
Preise und Stipendien
2007 Projektförderung BKA - Kunst, Projektförderung European Cultural Foundation / 2005 Erster Preis »Begegnungen« - Wettbewerb der Wiener Gebietskrankenkasse und Clubs der Graphischen.
Ausstellungen (Auswahl)
2006 Zukunfts- und Kulturwerkstätte im Rahmen des Monats der Fotografie, Wien / 2005 Amerlinghaus, Wien / Galerie Maringer, St. Pölten
Kontakt: anjeza(at)cikopano.net
www.cikopano.net
- Files:
Anjeza_Cikopano_Folder_01.pdf2.3 M



