MUSA zu Gast in Brünn | MARGOT PILZ 
7.6.–30.7.2017

 

Haus der Kunst der Stadt Brünn, Jaroslav Král Galerie

Malinovského nám. 2, Brünn

ERÖFFNUNG: 6. Juni 2017 | 18 Uhr

Pressekonferenz: 6. Juni 2017 | 11 Uhr

Kuratorin: Jana Vránová

Link: http://www.dum-umeni.cz/en/vystavy/detail/id/140

 

Vom 7. Juni–30. Juli 2017 zeigt das Haus der Kunst der Stadt Brünn in Kooperation mit der Kulturabteilung der Stadt Wien - MUSA und dem Österreichischen Kulturforum Prag eine Auswahl an Werken aus der Ausstellung MARGOT PILZ. Meilensteine, die vom 18.11.2015 - 5.3.2016 im MUSA zu sehen war.

Sie sind herzlich eingeladen, am 6. Juni mit unserem Bus zur Eröffnung nach Brünn zu fahren. Wir haben noch Plätze frei und würden uns freuen, wenn Sie an diesem Ausflug teilnehmen!

Abfahrt: MUSA, Felderstraße 6-8, 1010 Wien am 6.6.2017 um 14.30 Uhr

Rückfahrt: Haus der Kunst der Stadt Brünn, Malinovského nám. 2, 60200 Brünn, um 20.30 Uhr (Ankunft beim MUSA)

Um Anmeldung per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! wird bis spätestens 26.5.2017 gebeten. Bitte den Personalausweis / Reisepass nicht vergessen.

 

Margot Pilz‘ künstlerischer Zugang ist multimedial und umfasst Fotografie, Video, Computeranimation, Medienskulptur, Performance, Installation und digitale Kunst. Sie lediglich als eine der Vertreterinnen feministischer Kunst zu bezeichnen, wäre zu eindimensional, denn zu vielschichtig und komplex sind die Themen, denen sie sich widmet. Vor allem als Konzept- und Medienkünstlerin leistete Margot Pilz in der jüngeren österreichischen, wie auch in der internationalen Kunstgeschichte, in inhaltlicher und technischer Hinsicht Pionierarbeit. Radikal, experimentell, aktionistisch, feministisch, konzeptuell sind Begriffe, die oftmals verwendet werden, um ihre Kunst zu charakterisieren. Das Typische für die Künstlerin ist: Ihre Arbeit weist außergewöhnlich viele autobiographische Bezüge auf.

In Kooperation mit der Kulturabteilung der Stadt Wien - MUSA präsentiert die Ausstellung in der Jaroslav Král Galerie einzelne Aspekte des umfangreichen Schaffens der Künstlerin, welches erstmals 2015 in der Personale „Margot Pilz. Meilensteine | Von der performativen Fotografie zur digitalen Feldforschung“ im MUSA in Wien einem breiteren Publikum vorgestellt wurde. Die ausgebildete Mode-, Porträt- und Werbefotografin wendet sich in den 1970er Jahren von der kommerziellen Fotografie ab. Die ersten Werke, die sich den Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung und deren Alltag widmen, sind von einer subtilen, poetischen Sprache und malerischen Atmosphäre geprägt. Dazu verwendet die Künstlerin grobkörnigen Film, Unschärfe, Langzeitbelichtung und Teilkolorierungen. Die in manchen Arbeiten eingesetzten Textpassagen unterstreichen das narrative Moment. So entstehen die ersten fotografischen Serien. Bereits hier finden sich die gesellschaftskritischen und konzeptuellen Ansätze, die für Pilz' Arbeiten zukunftsweisend werden.

Im Jahr 1978 tritt die Künstlerin der 1977 in Wien gegründeten „Internationalen Aktionsgemeinschaft bildender Künstlerinnen“ (IntAkt) bei, die gegen die Diskriminierung von weiblichen Kunstschaffenden im österreichischen Kulturbetrieb ankämpft und sich durch politische und kulturelle Aktivitäten, Ausstellungen und Aktionen schnell zu einer international beachteten Plattform entwickelt. In diesem Kontext stehen Pilz' Arbeiten mit einem performativen Ansatz, ihre soziologischen Reportagen, Aktionen und Happenings, die fotografisch dokumentiert sind.

Obwohl ihr Œuvre der späten 1970er und frühen 1980er Jahre eine allgemein-feministische Thematik behandelt, reflektiert das Werk der Künstlerin ihre persönlichen, ganz konkreten Erlebnisse und Empfindungen. 1978 kommt es bei einem Frauenfest zum Zusammenstoß mit der Polizei. Pilz wird festgenommen und verarbeitet die empfundenen Übergriffe kurze Zeit später in ihren ersten performativen Selbstdarstellungsserien. Die Fotos, die in der Ausstellung „Selbstauslöser - Selbstauslösung“ gezeigt werden, stellen die Initialzündung ihres künstlerischen Schaffens dar. Sie sind der Befreiungsakt gegen das ohnmächtige Gefühl des Ausgeliefertseins als Frau angesichts der (männlichen) Staatsgewalt. Die bestehenden patriarchalen Strukturen, welche die Unterdrückung der Frau generieren, werden aufgezeigt und hinterfragt. Das Private wird plötzlich politisch. Diese Arbeiten sind körperzentriert und psychisch konnotiert: Die Gefühlslagen von Verletzung und verzweifelter Wut werden zum Gegenstand der fotografischen Analyse. Bemerkenswert ist der bewusste Verzicht auf Porträthaftigkeit zugunsten einer expressiven Gestik: ins Zentrum rücken stattdessen die unterschiedlichen Gemütszustände, repräsentiert z.B. durch die Leinenjacke, die Pilz bei dem Frauenfest trug und die bei der Verhaftung durch die Polizei zerknittert wurde. Die emotionale Ebene der BetrachterInnen wird damit stark angesprochen.

Margot Pilz sucht nicht nur ihre Stellung als Frau in der Gesellschaft, sondern auch die Identität in ihrer eigenen Ehe. Das Aufzeigen von Geschlechterdifferenzen, das Hinterfragen der tradierten Rollenzuweisungen als Mutter, Haus- und Ehefrau sowie ihre Stellung als Künstlerin in einer männlich dominierten Kunstszene, in der sie sich zurecht zu finden hat, prägen inhaltlich und formalästhetisch die Arbeiten der „4th Dimension“ (1978-1982). Die Zeit als vierte Dimension fügt sie ihrer Analyse hinzu. Was formal wie Zufall erscheint, ist das Ergebnis präzise kalkulierter Langzeitbelichtung, die Pilz zur Verdeutlichung ihrer Inhalte meisterhaft einsetzt. Ihren Höhepunkt erreicht die Werkphase der Selbstreflexion mit dem Projekt „Weiße Zelle“ (1983-1985): Die Künstlerin errichtet einen flexiblen Raum proportional zu ihren Körpermaßen, in dem sie agiert. Hier erweitert Pilz in der Folge ihren künstlerischen Fokus, indem sie diese Zelle ihren FreundInnen und anderen Kunstschaffenden als Handlungsraum anbietet und deren Performance fotodokumentiert. 1982 entsteht im Rahmen der Wiener Festwochen „Kaorle am Karlsplatz“, ein künstlicher Strand mitten in der Stadt. Direkt vor der Wiener Karlskirche werden 200m² Fläche mit Sand aufgeschüttet, Palmen und Liegen aufgestellt. Als wichtigen Aspekt thematisiert sie in dieser Arbeit die Umweltproblematik. Um auf die Gefährdung der Meere aufmerksam zu machen, lässt sie einen lebensgroßen Plastikwal im Bassin der Karlskirche schwimmen und spielt dazu Walgesänge ab, die ihr Greenpeace zur Verfügung stellt.

Gänzlich neuen Techniken und Materialien wendet sich die Künstlerin ab 1986 zu. Sie investiert in einen Amiga 1000 Computer und ist eine der ersten Künstlerinnen in Österreich, die mit Möglichkeiten der digitalen Bilderwelten experimentieren. Mithilfe ihrer selbst entwickelten Programmiersprache werden analoge Fotos per Videokamera in den Computer eingespeist und bearbeitet. Es entstehen die ersten digitalen Bildverfremdungen in Form von Bildschirmfotos, Inkjet- und Laserprints, die mit Verfremdung und pixeliger Ästhetik das gewohnte Wahrnehmungsempfinden dekonstruieren. Ihre digitalen Arbeiten werden konsequent mit „GOTO MP“ signiert, einem aus der Computersprache übernommenen und um ihre Initialen erweiterten Programmierbefehl. Die computergenerierten Bilder werden ab 1988 zu Animationen und Videos erweitert und diese in teils interaktive Medienskulpturen integriert. Zusammen mit Roland Scheidl präsentiert sie bei der Ars Electronica 1991 das erste Internetprojekt in Österreich, „Delphi Digital“. Die interaktive Skulptur konnte eingegebene Fragen zu Umweltthemen aus ihrem programmierten Speicher oder aus Nutzerforen von Netzpionieren beantworten und kann als Vorläufer einer Suchmaschine angesehen werden.

Nach einer Schaffenspause ab Mitte der 1990er Jahre ist Margot Pilz seit 2001 primär im Bereich der Performance und des Videos wieder als Künstlerin aktiv.

 

MARGOT PILZ | KURZBIOGRAFIE

 

*1936 Haarlem (Niederlande), aufgewachsen in Indonesien, lebt und arbeitet in Wien

1942–1945 Inhaftierung im KZ Lampersari auf Java 1954 Studium der Fotografie an der Höheren Graphischen Bundeslehr- und Versuchsanstalt in Wien

1971–1978 eigenes Werbestudio gemeinsam mit Hans Weiss 1976 Meisterprüfung der Fotografie

1990–1992 Lektorat an der Technischen Universität Wien

1991 Gastprofessur an der Pandios Universität Athen

1993-1994 Lektorat an der Technischen Universität Graz

 

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