BRIGITTE KOVACS | Musenanruf

BRIGITTE KOVACS | Musenanruf

  • Beginn: 14.10.2011
  • Ende: 5.11.2011
  • kuratiert von: Eröffnungskonzert: Thalia live
  • Eröffnung: Do, 13. Oktober 2011, 19:00
  • zur Eröffnung spricht: Margit Neuhold

Was könnte es bedeuten die Figur der Muse einer Neubewertung zu unterziehen? Inspiration durch den Musenkuss ist eine romantische und gleichzeitig realitätsferne Vorstellung der Kunstproduktion. Die von Brigitte Kovacs für die Startgalerie im MUSA entwickelte Arbeit "Musenanruf" untersucht und aktualisiert dieses althergebrachte Sinnbild. Im Mittelpunkt der Arbeit stehen gegenwärtige Bedingungen künstlerischer Produktion, die von prekären Arbeitsverhältnissen gekennzeichnet sind und unternehmerische Qualitäten von Kunstschaffenden fordern. So hat das symbolisch aufgeladene Fremdbild der passiven Künstler, die auf Inspiration in Form eines Musenkusses wartet, mit dem tatsächlichen Alltag und der Arbeit von Kunstschaffenden wenig zu tun. Vielmehr fordert kognitiver Kapitalismus, dass fürdie Künstler als immaterielle Arbeiter (Maurizio Lazzarato) die Unterscheidungzwischen Leben und Arbeit immer obsoleter wird. Es werden Ereignisse anstatt materieller Güter geschaffen – ein Versuch, der Verdinglichung der Arbeit und deren Zuführung in die Warenwelt zu entgehen. Unter Bezugnahme auf Musenanrufe in den antik-griechischen Epen lud Brigitte Kovacs Persönlichkeiten aus dem Kunstbetrieb ein, in die Rolle der Muse zu schlüpfen und sie als Künstlerin zu küssen. Demzufolge sind althergebrachte Geschlechterzuschreibungen, männlicher Künstler und weiblicher Musen, hinfällig. Wird in der griechischen Mythologie jeder der neun Musen eine Allegorie zugeordnet, so wählt Brigitte Kovacs neun Akteure aus den verschiedenen Bereichen des Kunstbetriebs: Einen Galeristen, einen Kulturpolitiker, eine Sammlerin, einen Museumsdirektor, eine Rektorin u.a., deren Arbeitsplatz auchals Schauplatz des Musenkusses gewählt wurde. Die Dramaturgie der einzelnen Fotoserien dokumentiert den intimen Moment des Geküsstwerdens, der jedoch ganz klar mit einer Bedeutung belegt ist: Es ist nicht mehr Inspiration, die auf diesem Wege der Künstlerin eingehaucht wird, sondern vielmehr eine poetische Form der Sichtbarmachung eines exemplarischen Netzwerkes, das notwendig ist, um im Kunstbetrieb zu bestehen. Prozesse der Wertbildung und Machtverhältnissedes Kunstbetriebes stehen in diesem institutionskritischen Ansatz zur Diskussion. Einen Teil dieses Betriebes bildet die kunstinteressierte Öffentlichkeit, die unter 0699 100 611 05 zu einem Musenanruf aufgefordert wird.Das Produzieren von Ereignissen innerhalb existierender Ordnungen scheint für das Werk von Brigitte Kovacs zentral; sie bedient sich Verfahren und Medien wie Video, Grafik, Fotografie, Performance und Sprache. Durch die Strategie künstlerischen Handelns verharren die Arbeiten nie nur auf der Ebene der Analyse, sondern machen Strukturen und Mechanismen gesellschaftlicher Verhältnisse mittels künstlerischer Methoden sichtbar und stellen sie zur Diskussion.
Margit Neuhold

KURZBIOGRAPHIE
BRIGITTE KOVACS
geboren 1980 in Eisenstadt | 1999 - 2005 Akademie der bildenden Künste, bildnerische Erziehung (Herwig Zens, Eva Schlegel) und Germanistik an der Universität Wien | 2000 - 2006 Universität für angewandte Kunst, Meisterklasse für Fotografie (Gabriele Rothemann) | 2002-2003 Studium der bildenden Kunst am Royal College of Art, Stockholm/SE

AUSSTELLUNGEN | PROJEKTE | AUSWAHL
2001 Heiligenkreuzer Hof, Wien | „dichroscopic gloss“, Semperdepot, Wien | 2002 „endlich sechs und 20“, Galerie Westlicht, Wien | Künstlerhaus, Wien | 2003 Moderna Danstheatern, Stockholm/SE | Internationales „Videofestival 03“, Umea/SE | Galerie Mejan, Stockholm/SE | Internationales Performance Festival „Navinki“, Minsk/Belarus | 2004 „facing“, Galerie Westlicht, Wien | „rien ne va plus“, Heiligenkreuzer Hof, Wien | „ICH“, Kunst.Vorarlberg, Bregenz | 2005 „female art works“, Burgenländische Landesgalerie, Eisenstadt | Kunstakademie Münster/DE Kunsthalle project space, Wien | „X-Art Festival“, Burgenländische Landesgalerie, Eisenstadt | 2006 „Carte Blanche“, Tanzquartier Wien, Wien | „Essence“, Museum angewandte Kunst, Wien | „Open“, 9. International exhibition of Sculptures and Installations, Venedig/I | „Seemann, lass das Träumen”, Quelle, Wien | 2007  „That´s a Pretty Kettle of Fish oder Das ist eine schöne Bescherung”, Kunsthalle Wien | 2008  Alte Saline, Hallein | 2009 „Junge Kunst“, Burgenländische Landesgalerie, Eisenstadt | „15 Jahre Literaturhaus Mattersburg“,  Mattersburg | 2010  „Die kleinen Freundinnen“, AKH Contemporary Galerie, Wien | 2011 „Die imaginäre Galerie”, Secret Gallery, Graz | „Find beauty in ordinary places”, Kooperation mit Isabel Espinoza für The Smallest Gallery, Graz | „Ausblick”, Galerie Gmünd, Gmünd

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