Linda Berger | Do Nothing Till You Hear From Me

Linda Berger | Do Nothing Till You Hear From Me

  • Beginn: 24.11.2017
  • Ende: 30.12.2017
  • Eröffnung: Do, 23. November 2017, 19 Uhr
  • zur Eröffnung spricht: Lucas Gehrmann

Linda Berger | Do Nothing Till You Hear From Me

 

 

Do Nothing Till You Hear From Me – Text von Bob Russel zu einer 1940 von Duke Ellington komponierten Melodie – ist ein poetisch-musikalischer Appell an das Vertrauen auf die eigene Empfindung, wenn äußere Stimmen ihr zuwiderlaufende Gerüchte verbreiten. Duke hatte das Stück zuerst dem Trompeter Cootie Williams gewidmet, einem Meister des „Growlings“, einer Technik, bei der der instrumental gespielte Ton durch gleichzeitiges Singen gebrochen wird. Die dadurch entstehenden Interferenzen werden im Sinne eines räumlichen Effekts wahrgenommen, vergleichbar dem Sound eines doppelchörigen Instruments. Ähnlich könnten wir Linda Bergers „Strichzeichnungen“ wahrnehmen, von denen sie zwei neue Großformate im MUSA zeigt: Es rauscht und flimmert, verschiedenste Tonalitäten gehen ineinander über, und zugleich fügen sich deren gegen unendlich konvergierende Farbstriche immer wieder zu Galaxien zusammen, die im Gesamten einen polyphonen Bildraum generieren. Statt durch einen Urknall entstanden zu sein, scheint sich dieser visuelle Kosmos in einem Raum-Zeit-Kontinuum zu befinden, das sich im gleichzeitigen Aufscheinen gleichwertig fluktuierender Qualitäten permanent relativiert und neu konstruiert. Der Vergleich eines musikalischen Stücks mit einem bildnerischen scheitert gemeinhin an der Differenz von räumlicher Simultaneität der Zeichen (Bild) und zeitlicher Linearität der Töne (Musik). In Linda Bergers Bildgenerierungsverfahren lässt ich allerdings ein Moment ausmachen, das mit einer uralten, im Jazz wieder aufgegriffenen musikalischen Sprache enge Verwandtschaft hat: die Improvisation. Linda Berger „komponiert“ ihre Stücke nicht per Notation, sondern sie lässt sie im Prozess des Werdens der Kombination visueller Zeichen entstehen. „Ich bin im aktuellen Prozess des Seins, nicht etwa in der Vorstellung eines Ergebnisses“, sagt die Künstlerin selbst, und, explizit: „Die Zeichnungen sind eine Transformation der inneren Prozesse in eine visuelle Form.“ Der Empfindung dieser „inneren Prozesse“ – Befindlichkeiten, Gefühle, die immer auch durch Einflüsse von außen mitbedingt sein können – gibt Linda Berger während des Zeichnens zwar ein Gehör, überlässt sie aber nie gänzlich dem freien „automatistischen“ Lauf ihrer Hand. Unter Kontrolle stehen stets die Länge der Striche und deren Zusammenspiel, das sich, wie Claudia Karolyi einmal schrieb, zu einer „wogenden Pelzigkeit“ formiert. „Kraul mir den Pelz, Baby“, hat die Künstlerin denn auch eine ihrer Werkreihen übertitelt, zu der Cooties Trompete womöglich auch ohne Dukes Notation schnurrig gegrowlt hätte ... Lucas Gehrmann

 

KURZBIOGRAPHIE

1980 in Aalen/GER geboren / 2008–2014 Universität für angewandte Kunst Wien Diplom (Grafik/Druckgrafik bei Sigbert Schenk/Jan Svenungsson) / 2011–2014 Studienassistentin, LV Gestaltungslehre/Rudolf Fuchs / 2006 Modedesign- Assistentin, Bogner Jeans, Künzelsau / 2005 Wissenschaftliche Mitarbeiterin, HfG Pforzheim/GER / 2001–2005 Dipl-Des (FH) Mode, Hochschule für Gestaltung Pforzheim/GER / 2017 Residency, Lichtenberg Studios Berlin / 2015–2016 Arbeits- stipendium (BMWFW) / 2014 Anerkennungspreis Stadt Wien

 

AUSSTELLUNGEN (Auswahl)

2017 in&outsider_05, Kopfkino, Galerie3, Klagenfurt/K / Sammlung Urban, Weidhofen/Ybbs/NÖ / Wiederholungen – forms of repetition in contemporary art, AaCollections, Wien / 10. Art Austria, Galerie3/flux23, Wien / 2016 Getriggert zum Stillsein, Galerie LOFT8, Wien / No Walls, Friday Exit, Wien / Schichtwechsel, Galerie LOFT8, Wien / 2015 47. Art&Antique, PARNASS Magazin, Wien / 15. Art Bodensee 2015, Skulpturenpark, Dornbirn/V / Young Art Lounge, Züricher Kantonalbank, Wien / Ex-Libris, Une tradition revisitée entre Paris et Vienne, Galerie Galatée, Paris / 2014 (Un)Expected Form, Galerie LOCOMOT, Wien / Kraul mir den Pelz, Baby, Diplomausstellung, die Angewandte, Wien / Ein Plan reicht uns nicht aus, curated by Hans Schabus, Skulpturinstitut dieAngewandte, Wien / 2013 Old Masters Young Masters, Galerie Hochdruck, Wien / EDUCULT quartier21, Museumsquartier, Wien / Exlibris, Piktogramm, Signatur, Galerie Steyrdorf, Steyr/OÖ / Gemischter Satz, Zwischen Gestern und Morgen, Museum Nö DOK St.Pölten/NÖ / 5th###SESSSSION, Lafin C‘est merde, Wien / 2012 The Essence 12, Jahresausstellung der Angewandten, Künstlerhaus Wien / Staufische Pracht & Karfunkelschein, Labor im Chor, Schwäbisch Gmünd/GER / Graphics Open 2012, Hungarian University of Fine Arts, Budapest / 2011 XVI. deutsche internationale Grafik-Triennale Frechen/GER / IN KONTRAST, ART SALON EDUCULT, Museumsquartier, Wien / Zeichnungen und Grafiken, Heiligenkreuzer Hof, Wien / 2010 Internationale Druckgrafik Triennale Wallsee/ NÖ / Traumwanderer oder Verknüpfung mit Himmel, Renner-Institut, Wien / The Essence 10, Künstlerhaus Wien / off the streets, Bildetage, Wien

 

KONTAKT

www.lindaberger.com

Bildergalerie

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